Der Fall Guttenberg: Wie die Süddeutsche Zeitung eine große Chance verpasste

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Nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg steht neben der BILD-Zeitung ein weiterer publizistischer Verlierer fest: Die Süddeutsche Zeitung, die im Fall Guttenberg einen kleinen, aber bedeutenden Fehler machte.

Es war zweifellos DAS Medienthema der letzten Wochen und mündete heute im verdienten Kulminationspunkt: Die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich an einem Donnerstag-Abend vor gut zwei Wochen über Twitter zum ersten Mal davon gehört habe, dass der Verteidigungsminister bei seiner Doktorarbeit eventuell getrickst hat. Medienjunkie, der ich bin, habe ich gleich im ePaper der Süddeutschen Zeitung nachgelesen und war sofort überzeugt, dass den Kollegen aus München da ein echter journalistischer Scoop gelungen war.

Das Problem daran: Je größer die Wellen wurden, die das Thema im Laufe der nächsten Tage und Wochen schlug, desto geringer wurde der Anteil, der der Süddeutsche Zeitung meines Erachtens nach an der Aufklärung zugesprochen wurde. Und damit steht für mich neben der BILD ein weiterer publizistischer Verlierer in der Guttenberg-Sache fest: Die Süddeutsche Zeitung, die es verpasst hat, im Gedächtnis der Menschen hängen zu bleiben – als das Blatt, das zuerst über den Fall berichtete.

Man kann den Edelfedern aus München dabei noch nicht einmal vorwerfen, dass sie bei dem Thema nicht konsequent am Ball geblieben wären. Im Gegenteil: Die SZ berichtete online und in der Print-Ausgabe auch dann noch ausführlich über den Fall, als man in anderen Medien schon langsam wieder zur Tagesordnung übergehen wollte. Allerdings schaffte es die Redaktion nicht, schon mit dem Erscheinen des ersten Artikels zum Thema online ein größeres Rad zu drehen.

Auf die Idee, die eigenen Leser dabei um Hilfe zu bitten, Plagiatsstellen in Guttenbergs Doktorarbeit auszumachen, kam man bei der SZ selbstverständlich nicht. Das übernahm dann das Guttenplag-Wiki – und so erntete am Ende nicht die Süddeutsche Zeitung die Lorbeeren für ihren Scoop, sondern die Netzöffentlichkeit.

Guttenberg kann all das allerdings ziemlich egal sein. Er wäre ohnehin nur zu halten gewesen, wenn aus dem Nichts ein anderes, noch größeres Thema aufgekommen wäre, das seine Verfehlungen in den Hintergrund gedrängt hätte.

Bildquelle:
flickr / INSMAttribution-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0)

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01. März 2011 von Martin Hoffmann
Kategorien: Medien | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. @alle

    Guttenberg ist einfach zu gut für diese Welt!

    Diese furchtbar eingebildete Wissenschaftsmafia (Schavan, Lepsius, etc.) hat ihn letztlich zu Fall gebracht!

    Bücher sind sowieso Sch… (ausser Facebook und Fuckbook, natürlich), denn die liest eh kein Schwein.

    Dabei gibt es keine Wissenschaft — es gibt nur Technik und Technologie (s. Mutti bei CEBIT). Alles darüber ist eh nur Rhetorik!

    Und Guttenberg ist ein perfekter Rhetoriker mit einem perfekten hypersozialen Primatenhirn — das ganze geBILDete Volk spürt das!

    Und das Volk braucht charismatische Führer mit einer hypersozialen Intelligenz!!!!

    Darum: Guttenberg for Kanzler!!!!!

    Guttenberg will be back!!

  2. Der Mann mag ja ein Hochstapler und schlechter Politiker gewesen sein aber für all die Witze, die dank ihm in den letzten Wochen das Licht der Welt erblickt haben, muss man ihn doch einfach dankbar sein ;)

  3. Kokolores! Wer sich halbwegs für Politik interessiert, der weiß, dass die SZ den Stein ins Rollen gebracht hat. Das hat sie sehr sauber getan und damit weiter den Ruf gefestigt, dass sie heute das ist, was der Spiegel einmal war (vor Herrn Aust).

    • @Ulf: Nein, genau das sehe ich eben nicht. Die Lorbeeren für die “Aufdeckung” hat nicht die SZ bekommen. Fragen Sie mal in Ihrem Bekanntenkreis herum – die Mehrheit der Leute wird nicht wissen, welches Medium die Welle losgetreten hat bzw. das dem Guttenplag-Wiki zuschieben.

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